Fakultät für Chemie und Pharmazie

ERC Advanced Grants für Prof. Roland Beckmann

Von der Modellierung kosmischer Strukturen zur Entstehung von Pandemien: Der Europäische Forschungsrat vergibt vier prestigeträchtige Advanced Grants an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der LMU. Einen Preis bekam Professor Roland Beckmann von der Fakultät für Chemie und Pharmazie.

 

Professor Roland Beckmann, war in der jüngsten Vergaberunde der ERC-Grants erfolgreich. Er erhielt einen Advanced Grant. Für Roland Beckmann ist es bereits der zweite ERC-Grant in seiner Karriere. Die Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von jeweils maximal 2,5 Millionen Euro (in Ausnahmefällen 3,5 Millionen Euro) verbunden. Die ERC Advanced Grants richten sich an etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachbereiche, deren hochinnovative Forschung erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht und neue Forschungsgebiete erschließt.

Roland Beckmann ist Professor für Biochemie am Genzentrum der LMU. Der Strukturbiologe ist Spezialist für die Methode der Kryo-Elektronenmikroskopie, mit der man die komplexen Strukturen von Biomolekülen atomgenau sichtbar machen kann. Sein besonderes Interesse gilt der Struktur und Funktion von Ribosomen, den Proteinfabriken der Zelle. Dafür macht er die fragile Architektur dieser Zellmaschinerie sichtbar und untersucht Strukturänderungen in verschiedenen Stadien der Proteinproduktion.

Im Rahmen seines neuen ERC-Projekts will Beckmann untersuchen, wie Ribosomen in menschlichen Zellen zusammengebaut werden. Dies ist ein hochkomplexer Vorgang: Jedes Ribosom besteht aus zahlreichen Komponenten, die mithilfe von über 200 Biogenesefaktoren zusammengebaut und in die richtige Architektur gefaltet werden müssen. Ein besseres Verständnis dieses Prozesses ist essenziell, da fehlerhaft aufgebaute Ribosomen zahlreiche Krankheiten verursachen können, die etwa mit Störungen des Skelettsystems oder einer Neigung zu Tumoren verbunden sind. Bisher wurde die Ribosomen-Biogenese vor allem an einfachen Organismen wie Hefe untersucht, die sich aber von derjenigen der Säugetiere erheblich unterscheidet. Beckmann will nun eine vollständige strukturelle Bestandsaufnahme der menschlichen Ribosomen-Biogenese machen und deren Mechanismen weiter charakterisieren. Zudem will er den Prozess in gesunden und erkrankten Zellen vergleichen. „Diese Erkenntnisse werden das Wissen über die menschlichen Ribosomen-Biogenese entscheidend voranbringen und helfen, die Ursachen für die Entstehung Ribosomen-assoziierter Krankheiten besser zu verstehen“, sagt Beckmann.

Roland Beckmann studierte Biochemie an der FU Berlin, wo er 1995 auch promoviert wurde. Anschließend forschte Beckmann an der Rockefeller University in New York (USA), bevor er 2001 die Leitung einer Forschungsgruppe der Volkswagenstiftung an der Charité der Humboldt-Universität in Berlin übernahm. 2006 nahm Beckmann einen Ruf an einen Lehrstuhl für Biochemie an der LMU an.