Wie scanne ich richtig ?

Rolf Mayer

Rechenzentrum
Universität Karlsruhe
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Ein immer wieder auftretendes Problem ist die Einbindung und Ausgabe von riesigen Bilddateien, die häufig unbedacht über einen Scanner entstanden sind. Die Erfahrung zeigt, daß sich viele Leute oft nicht darüber bewußt sind, welche Datenmengen Sie durch das Einscannen von Bildern mit viel zu hoher Auflösung und Farbtiefe produzieren. Eine DIN A4-Seite in 300 dpi und 24 Bit Farbtiefe wird deutlich über 30 MB groß, von den daraus resultierenden minutenlangen Ausgabezeiten ganz zu schweigen.

Vor dem Einscannen von Bildvorlagen sind daher einige wichtige Überlegungen anzustellen.


Scan-Arten

Für einfache Strichzeichnungen sollten Sie immer mit einer 1 Bit Farbtiefe scannen. Wenn Sie auf einem 300 dpi-Laserdrucker Grauwertbilder ausgeben möchten, reicht eine Farbtiefe von 6 Bit (=64 Helligkeitsstufen) vollkommen aus. Da in den meisten Fällen nur eine Schwarz-Weiß-Ausgabe erfolgt, sollten Sie auch Farbbbilder gleich im Grauwertmodus scannen. Das Scannen von Standard-Papier-Farbfotografien im 24 Bit-Modus ist reine Platzverschwendung. Wenn Sie sich einmal die Anzahl der Farben in einer Photografie ansehen, so werden Sie kaum über 200 unterschiedliche Farben kommen.

Bei Diagrammen, die für das Auge sehr schöne gleichfarbig gefüllte Flächen haben, werden Sie nach dem 24 Bit-Scannen überrrascht sein, wie viele unterschiedliche Farbwerte in dieser "einfarbigen" Fläche vorhanden sind. Sie sollten sich immer überlegen, wie, in welcher Qualität und in welcher Technik das Bild ausgegeben wird. In vielen Fällen erreichen Sie durch eine vernünftige Nachbearbeitung von Bildern, die subjektiv in niedriger Qualität gescannt wurden, eine viel höhere Qualität.

In der Regel bieten Scanner auch die Möglichkeit, das Bild schon beim Scanvorgang oder bei der Dateiausgabe zu rastern. Wenn Sie ein Bild mit 300 dpi scannen, aber dann als gerasterte Datei wegschreiben, erhalten Sie eine Ausgabeauflösung von ca. 65 dpi (Grauwert). Alle über ca. 65 dpi hinausgehenden Informationen werden weggeworfen. Eine höhere Auflösung ist in der Regel bei einem konventionellen 300-dpi Laserdrucker kaum zu erzielen.

Eine Rasterung während des Scannens sollten Sie nur dann vornehmen, wenn das gerasterte Bild nicht mehr verändert werden soll, da sonst die Anordnung der Pixel geändert wird, was unweigerlich eine Qualitätsverschlechterung zur Folge hat. Das Rastern sollte immer das letzte Glied in der Bildbearbeitung sein und immer auf die Auflösung des Ausgabemediums abgestimmt sein.

Selbst wenn Sie Photos scannen und auf einem wirklich hochauflösenden Satzbelichter (2540 dpi) ausgeben möchten, reicht eine Scanauflösung von ca. 150 dpi vollkommen aus. Um die gescannten 256 Graustufen ausdrucken zu können, benötigt der Drucker eine um den Faktor 16 höhere Auflösung als der Scanner, da der Drucker für jeden Grauwert mehrere Pixel setzen muß. Diese hohen Ausgabeauflösungen werden oft fälschlicherweise als Scannerauflösung bezeichnet, obwohl mit dieser Auflösung gar nicht gescannt wird.

Strichzeichnungen (reine Schwarz-Weiß-Bilder) sollten generell mit einer möglichst hohen Auflösung gescannt werden, um die Liniengenauigkeit möglichst hoch zu halten (Vermeidung von Treppen und Ausfransungen). Dies gilt vor allem dann, wenn das Bild für eine Raster-Vektor-Konvertierung (Autotracing) vorgesehen ist. Es hat aber auch keinen Sinn, Bilder mit einer größeren Auflösung als nachher bei der Ausgabe beabsichtigten zu scannen.

Schlechte Vorlagen (zu dünne Striche, Grauschleier, unpassendes Vorlagenformat) können oft mit Hilfe eines Kopierers erheblich verbessert werden (analoges Verfahren).


Bildgröße und Scanauflösung

Wie bereits erwähnt, muß schon beim Scannen die spätere Bildgröße mit einbezogen werden. Wird z.B. ein Bild mit 300 dpi gescannt und dann im Textsystem auf die Hälfte verkleinert, so steigt die Auflösung des Bildes entsprechend auf 600 dpi. Soll das Bild verkleinert werden, kann die Scanauflösung reduziert werden. Soll das Bild vergrößert werden, kann die Scanauflösung höher eingestellt werden. Die Scanauflösung kann meistens auf zwei Arten beeinflußt werden: Entweder wird die Scanauflösung entsprechen geändert oder es wird die Bildgröße in der Scannersoftware eingegeben.


Änderung der Scanauflösung

Kann in der Scannersoftware keine Bildgröße angegeben werden bzw. bleibt die Bildgröße auf 100%, wird die notwendige Scanauflösung folgendermaßen berechnet:
Wird eine Bildauflösung von 600 dpi gewünscht und soll die Seitenlänge der Bildvorlage von 16 cm auf 10 cm reduziert werden, berechnet sich die Scanauflösung aus: 300 dpi x 10 cm/16 cm = 375 dpi.


Eingabe der Bildgröße

Wird als Scanauflösung die gewünschte Bildauflösung und zusätzlich die Bildgröße eingegeben, wird dadurch intern die Scanauflösung entsprechend angepaßt: Wird eine Bildgröße von mehr als 100% eingegeben, reduziert sich die Auflösung entsprechend. Da die Bildgröße eingegeben wird, muß die Scanauflösung nicht separat berechnet werden. Es gilt somit: Scanauflösung = gewünschte Bildauflösung. Die einzustellende Bildgröße kann folgendermaßen berechnet werden:
Ist beispielsweise die Seitenlänge der Vorlage 16 cm und soll auf 10 cm reduziert werden, so berechnet sich die Bildgröße wie folgt: 10 cm/16 cm x 100 =62,5%. Mit dieser Eingabemöglichkeit erspart man sich viel Rechenarbeit.

Die tatsächliche Scanauflösung, bei der bereits die Bildgröße berücksichtigt ist, wird als effektive Scanauflösung bezeichnet. Die effektive Auflösung ist also nicht die Auflösung, die eingestellt wurde, sondern die Auflösung, mit der tatsächlich gescannt wird. Bei Einstellung einer Bildgröße von 100% ist die eingestellte Auflösung identisch mit der effektiven Auflösung. Angenommen, es wird eine Scanauflösung von 300 dpi und eine gewünschte Bildgröße von 200% eingegeben, dann wird in Wirklichkeit (effektive Scanauflösung) mit 600 dpi gescannt (200% Auflösung von 300 dpi = 600 dpi). Als Ergebnis erhält man beim vergrößerten Bild wieder die gewünschte Auflösung des Bildes von 300 dpi. Die effektive Scanauflösung kann wie folgt berechnet werden:

Wird in der Scannersoftware eine andere Auflösung als 100% eingestellt, kann mit obiger Formel berechnet werden, mit welcher Auflösung der Scanner tatsächlich arbeitet (effektive Scanauflösung). Wird beispielsweise in der Scannersoftware eine Auflösung von 800 dpi und eine Bildgröße von 50% eingestellt, so tastet der Scanner mit folgender Auflösung ab: 800 x 50 / 100 = 400 dpi.


Tips

Drei Tips noch zum Abschluß:
Die Anmerkungen über das Scannen wurden teilweise dem sehr empfehlenswerten Buch von
Peter Kammermeier: Scannen und Drucken, Perfekte Photos mit DTP, Addison-Wesley
entnommen.


Rolf.Mayer@rz.uni-karlsruhe.de / 14.09.98